Vor langer, langer Zeit lebte in Lothringen einmal ein Graf, der große Freude an der Jagd hatte. Nun geschah es, dass er an einem stillen Abend Wasserenten nachstellte. Da sah er plötzlich drei Schwäne heranfliegen. Die warfen ihre Schwanenkleider ab, und es waren drei wunderschöne Jungfrauen. Der Graf nahm heimlich das Schwanenkleid der Jüngsten, und sie mußte ihm nachfolgen. Da der Graf jung und schön war, begann sie ihn zu lieben und nahm ihn zum Manne. Zu ihrem Mann aber sagte sie: "Wenn ich je wieder mein Schwanenkleid vor mir sehe, dann muss ich von dir weg in die weite Welt fliegen." Daraufhin gab der Graf das Schwanenkleid seiner alten Mutter zur Aufbewahrung. Nun waren sie schon sieben Jahre verheiratet und hatten drei Kinder. Da geschah es einmal, daß die alte Mutter des Grafen in ihrer Kammer kramte. Dabei fiel ihr das Schwanenkleid in
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Sonntag, 20. Dezember 2015
Der Graf & die Schwanenjungfrau {Rauhnacht Märchen}
Vor langer, langer Zeit lebte in Lothringen einmal ein Graf, der große Freude an der Jagd hatte. Nun geschah es, dass er an einem stillen Abend Wasserenten nachstellte. Da sah er plötzlich drei Schwäne heranfliegen. Die warfen ihre Schwanenkleider ab, und es waren drei wunderschöne Jungfrauen. Der Graf nahm heimlich das Schwanenkleid der Jüngsten, und sie mußte ihm nachfolgen. Da der Graf jung und schön war, begann sie ihn zu lieben und nahm ihn zum Manne. Zu ihrem Mann aber sagte sie: "Wenn ich je wieder mein Schwanenkleid vor mir sehe, dann muss ich von dir weg in die weite Welt fliegen." Daraufhin gab der Graf das Schwanenkleid seiner alten Mutter zur Aufbewahrung. Nun waren sie schon sieben Jahre verheiratet und hatten drei Kinder. Da geschah es einmal, daß die alte Mutter des Grafen in ihrer Kammer kramte. Dabei fiel ihr das Schwanenkleid in
Sonntag, 6. Dezember 2015
Knecht Ruprecht {Jule Märchen}
Einmal, so im Mittwinter, als der wilde Jäger unterwegs war, verlor ein Tier aus seinem Gefolge die Eisen. Sein Reiter musste mit dem Pferd und Hund zurückbleiben und verirrte sich als er den hohen Zug einholen wollte. Endlich stieß er auf die Hütte einer armen Witwe, die hauste mit ihren Kindern mitten im Wald. Der Reiter, ein alter graubärtiger Geselle, warf die Tür auf, trat mit dem Hund ein, der auch gleich die Kleinen anfuhr, dass eines von ihnenniederstürzte, und verlangte zu essen und zu trinken. Die arme Frau erschrak sehr. Sie fragte nicht nach dem Namen, noch nach dem Woher und Wohin, brachte hastig, was gerade auf dem Herd stand, und wollte den Gast zufrieden stellen. Der aß und trank,
Donnerstag, 3. Januar 2013
Frau Holle {Rauhnacht Märchen}
Eine
Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig,
die andere hässlich und faul. Sie hatte aber die hässliche und
faule, weil sie ihre rechte Tochter war, viel lieber, und die andere
musste alle Arbeit tun und der Aschenputtel im Hause sein. Das arme
Mädchen musste sich täglich auf die große Straße bei einem
Brunnen setzen und musste so viel spinnen, dass ihm das Blut aus den
Fingern sprang. Nun trug es sich zu, dass die Spule einmal ganz
blutig war; da bückte es sich damit in den Brunnen und wollte sie
abwaschen; sie sprang ihm aber aus der Hand und fiel hinab. Es
weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Sie
schalt es aber so heftig und unbarmherzig, dass sie
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